Wärmepumpe planen 2026: Heizlast, Pufferspeicher, hydraulischer Abgleich & Checkliste
Heizlastberechnung: Schritt für Schritt erklärt
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die Basis jeder seriösen Wärmepumpen-Planung.
- ✓Faustformeln (z.B. „100 W/m²") sind ungenau und führen oft zu Über- oder Unterdimensionierung.
- ✓Die Berechnung berücksichtigt: Gebäudehülle, Fenster, Lüftung, Orientierung und Warmwasser.
- ✓Für München gilt: Norm-Außentemperatur -16°C (DIN 12831).
- ✓Unsere Heizlastberechnung ist förderfähig und Voraussetzung für den KfW-Antrag.
Die Heizlastberechnung beantwortet die zentrale Frage: Wie viel Wärmeleistung braucht Ihr Haus am kältesten Tag des Jahres? Die Antwort bestimmt, welche Wärmepumpe verbaut wird. Zu groß = Takten, zu klein = kalte Füße. Beides kostet Geld und Komfort.
Heizlast-Berechnung: Die 5 Einflussfaktoren
| Faktor | Was wird geprüft | Typischer Einfluss | Wie wir es ermitteln |
|---|---|---|---|
| 1. Transmissionsverluste | Wärme durch Außenwände, Dach, Fenster, Bodenplatte | 60–75% der Heizlast | U-Werte aller Bauteile, Baujahr, Sanierungsstand |
| 2. Lüftungsverluste | Wärme durch Luftwechsel (Fugen, Öffnungen) | 15–25% der Heizlast | Luftwechselrate, Fensterdichtungen prüfen |
| 3. Innere Wärmegewinne | Wärme durch Personen, Geräte, Beleuchtung | Abzug ~5% | Personenzahl, Nutzungsmuster |
| 4. Solare Gewinne | Wärme durch Sonneneinstrahlung (Fenster) | Abzug ~5–10% | Fensterausrichtung, Verschattung |
| 5. Warmwasserbedarf | Zusätzliche Leistung für Trinkwassererwärmung | Aufschlag ~10–15% | Personenzahl, Nutzung (Bad, Dusche, Spülmaschine) |
Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 führen wir raumweise durch. Jeder Raum bekommt seinen eigenen Heizlast-Wert – wichtig für den hydraulischen Abgleich.
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Typische Heizlasten nach Gebäudetyp (EFH 150 m², München)
| Gebäudetyp | Spezifische Heizlast | Heizlast gesamt | Empfohlene WP-Leistung |
|---|---|---|---|
| Neubau KfW 40 | 25–35 W/m² | 4–5 kW | 5–6 kW |
| Neubau KfW 55 | 35–45 W/m² | 5–7 kW | 6–8 kW |
| Sanierter Altbau (gut) | 50–70 W/m² | 8–10 kW | 8–12 kW |
| Altbau teilsaniert | 70–100 W/m² | 10–15 kW | 12–16 kW |
| Altbau unsaniert | 100–150 W/m² | 15–22 kW | 16–20+ kW |
Richtwerte für Großraum München (Norm-Außentemp. -16°C). Exakte Werte nur mit raumweiser Berechnung. Angegeben inkl. WW-Zuschlag.
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Pufferspeicher richtig dimensionieren
Der Pufferspeicher ist der „Akku" der Wärmepumpe: Er speichert überschüssige Wärme und gleicht Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus. Die richtige Größe ist entscheidend – zu klein verursacht häufiges Takten, zu groß kostet unnötig Geld und Platz.
Pufferspeicher-Dimensionierung nach System (nur Heizungspuffer)
| Konfiguration | Empfohlene Puffergröße | Begründung |
|---|---|---|
| WP + Fußbodenheizung (ohne PV) | 100–200 Liter | FBH hat eigene Speichermasse, wenig Puffer nötig |
| WP + Heizkörper (ohne PV) | 200–300 Liter | Heizkörper reagieren schneller → mehr Puffer sinnvoll |
| WP + FBH + PV | 300–500 Liter | Größerer Puffer nutzt PV-Überschuss mittags zum Vorheizen |
| WP + Heizkörper + PV | 300–500 Liter | Gleiche Logik: Überschussstrom in Wärme wandeln |
Richtwerte für EFH mit 2–4 Personen. Bei PV-Überschuss-Strategie: größer dimensionieren. Zusätzlich zum Pufferspeicher wird ein separater Warmwasserspeicher (200–300 L) oder ein Kombispeicher für die Trinkwassererwärmung benötigt.
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Warmwasserspeicher für Wärmepumpen – Trinkwasser separat oder Kombispeicher?
| Lösung | Empfohlene Größe | Vor-/Nachteile |
|---|---|---|
| Separater Warmwasserspeicher | 200–300 Liter (2–4 Personen) | Hygienisch optimal, Legionellen-Schutz, getrennte Regelung |
| Kombispeicher (Tank-in-Tank) | 300–500 Liter gesamt | Platzsparend, ein Gerät für beides, etwas weniger hygienisch |
| Pufferspeicher + Frischwasserstation | 300–500 L Puffer + Durchlaufprinzip | Beste Hygiene (kein stehendes Trinkwasser), höhere Kosten |
Warmwasserspeicher speichern Trinkwasser (Brauchwasser) und unterliegen strengen Hygieneanforderungen (Legionellenschutz). Der Pufferspeicher speichert dagegen nur Heizungswasser.
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Puffer + PV = Smart Heating
Mit einem größeren Pufferspeicher (400–500 L) und SG-Ready-Anbindung nutzen Sie PV-Überschuss optimal: Die Wärmepumpe heizt mittags den Puffer mit Solarstrom auf – abends wird die gespeicherte Wärme verteilt. So maximieren Sie Ihren PV-Eigenverbrauch und minimieren die Netzstromkosten.
Hydraulischer Abgleich: Warum er Pflicht ist – und was er bringt
Der hydraulische Abgleich ist bei Wärmepumpen-Installationen doppelt wichtig: Erstens ist er seit 2024 Pflicht für die KfW-Förderung. Zweitens steigert er die Effizienz um 10–15% und sorgt für gleichmäßige Raumtemperaturen. Ohne Abgleich fließt zu viel Wasser durch nahe Heizkörper und zu wenig durch entfernte – einige Räume werden zu warm, andere zu kalt.
Hydraulischer Abgleich: Verfahren A vs. B
| Merkmal | Verfahren A (vereinfacht) | Verfahren B (raumweise) |
|---|---|---|
| Berechnungsgrundlage | Überschlägig (Heizkörpergröße) | Exakte raumweise Heizlastberechnung |
| Genauigkeit | △ Gut | ✓✓ Sehr gut |
| Kosten | 400–800 € | 800–1.500 € |
| KfW-Förderung | ✓ Anerkannt | ✓ Anerkannt (empfohlen) |
| Effizienz-Gewinn | ~8–10% | ~12–15% |
| Unsere Empfehlung | Bei Budget-Einschränkung | ✓ Standard bei jeder Installation |
Verfahren B basiert auf der vollständigen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die wir ohnehin für die WP-Dimensionierung durchführen.
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Bei Buderus Systeme führen wir standardmäßig den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B durch – denn die raumweise Heizlastberechnung machen wir für die korrekte WP-Dimensionierung sowieso. Die Daten sind also vorhanden, und der Mehraufwand für Verfahren B ist minimal. Das Ergebnis: optimale Effizienz vom ersten Tag an.
PV + Wärmepumpe: So dimensionieren Sie beides optimal
Die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe ist wirtschaftlich optimal – wenn beide Systeme aufeinander abgestimmt sind. Unser Elektromeister Can Endisch plant die PV-Anlage so, dass der Wärmepumpen-Strombedarf maximal gedeckt wird.
PV-Anlagen-Auslegung für Wärmepumpen-Häuser
| Haushaltsgröße | WP-Strombedarf/Jahr | Haushalts-Strom | Empfohlene PV-Leistung | Speicher (optional) |
|---|---|---|---|---|
| 2 Personen, Neubau | 2.500–3.500 kWh | 2.500 kWh | 7–9 kWp | 5–7 kWh |
| 4 Personen, Neubau | 3.000–4.500 kWh | 4.000 kWh | 9–12 kWp | 7–10 kWh |
| 2 Personen, Altbau | 4.000–5.500 kWh | 2.500 kWh | 9–12 kWp | 7–10 kWh |
| 4 Personen, Altbau | 5.000–7.000 kWh | 4.000 kWh | 12–15 kWp | 10–15 kWh |
| + E-Auto (3.000 kWh) | +3.000 kWh | +3–4 kWp | +5 kWh |
PV-Ertrag München: ca. 1.050 kWh pro kWp und Jahr. Eigenverbrauchsquote mit WP: 50–70%. Speicher erhöht Eigenverbrauch um 15–25%.
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SG-Ready: Intelligente PV-WP-Kopplung
Sowohl Buderus als auch Lambda Wärmepumpen sind SG-Ready-zertifiziert. Das bedeutet: Wenn Ihre PV-Anlage Überschuss produziert, erhöht die Wärmepumpe automatisch die Speichertemperatur – Sie „tanken" Wärme mit kostenlosem Solarstrom. Die Einrichtung übernimmt Can Endisch bei der Installation.
Heizkurve einstellen: Die „unsichtbare" Stellschraube für Effizienz
Die Heizkurve bestimmt, bei welcher Außentemperatur die Wärmepumpe welche Vorlauftemperatur liefert. Eine falsch eingestellte Heizkurve ist der häufigste Grund für eine schlechte Jahresarbeitszahl. Die Optimierung kostet nichts – spart aber 5–15% Strom.
Heizkurven-Richtwerte nach Heizsystem
| Heizsystem | Heizkurve (Steilheit) | Fußpunkt | VLT bei 0°C Außen | VLT bei -16°C Außen |
|---|---|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 0,3–0,5 | 20–22°C | 28–32°C | 35–40°C |
| Niedertemp.-Heizkörper | 0,5–0,8 | 20–22°C | 35–40°C | 45–50°C |
| Standard-Heizkörper | 0,8–1,2 | 20–22°C | 40–48°C | 55–65°C |
| Altbau-Heizkörper (klein) | 1,2–1,5 | 20–22°C | 48–55°C | 65–75°C |
Steilheit = Wie stark steigt die VLT bei sinkender Außentemperatur. Fußpunkt = VLT bei Referenz-Außentemperatur (meist 20°C). Individuelle Einstellung nach Gebäude.
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Optimierung nach dem ersten Winter
Die initiale Heizkurve wird bei der Inbetriebnahme eingestellt. Nach dem ersten Winter empfehlen wir eine Nachoptimierung: Anhand der tatsächlichen Verbrauchsdaten und Raumtemperaturen wird die Kurve feinjustiert. Das verbessert die JAZ oft nochmals um 0,2–0,3 Punkte.
Ihre Checkliste: 10 Punkte vor der Wärmepumpen-Bestellung
Bevor Sie eine Wärmepumpe bestellen, sollten diese 10 Punkte geklärt sein. Nutzen Sie die Checkliste als Gesprächsleitfaden für Ihre Beratung – oder als Kontrolle, ob Ihr Anbieter alle relevanten Aspekte berücksichtigt hat.
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchgeführt? (Nicht nur Faustformel!)
- Vorlauftemperatur ermittelt? (Bestehendes Heizsystem geprüft, 55°C-Test gemacht?)
- Wärmepumpen-Leistung korrekt dimensioniert? (Weder zu groß noch zu klein)
- Aufstellort festgelegt? (Schallprognose, Abstand zum Nachbarn, Fundament-Typ)
- Pufferspeicher dimensioniert? (Heizungspuffer: je nach Heizlast und PV-Nutzung)
- Warmwasserspeicher gewählt? (Separater Trinkwasserspeicher, Kombispeicher oder Frischwasserstation)
- Elektroinstallation geprüft? (Hausanschluss-Leistung, Zählerplatz, FI Typ B)
- KfW-Förderantrag vorbereitet? (VOR dem Beginn der Installation!)
- Hydraulischer Abgleich eingeplant? (Verfahren B empfohlen)
- PV-Kombination geprüft? (SG-Ready-Anbindung, PV-Dimensionierung)
- Festpreis-Angebot erhalten? (Alle Leistungen aufgeschlüsselt, keine versteckten Kosten)
Wichtig: KfW-Antrag VOR Installationsbeginn
Der KfW-Förderantrag muss VOR dem Beginn der Installation gestellt werden. Ein Liefer- oder Installationsauftrag gilt bereits als „Vorhabensbeginn". Ausnahme: Mit einer „Technischen Systembeschreibung" (TSB) kann der Auftrag erteilt werden, bevor der KfW-Bescheid vorliegt. Unser Energieberater Diar kennt den Prozess und stellt sicher, dass Sie keine Förderung verlieren.
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